7. April 2026, 15:56 | Lesezeit: 9 Minuten
Proton VPN aus der Schweiz setzt auf moderne Technik, solide Streaming-Funktionen und ein hohes Maß an Transparenz. Doch hält der Dienst auch beim Thema Sicherheit, was er verspricht, oder gibt es Schwachstellen? Wir haben den VPN-Anbieter im Test genau unter die Lupe genommen.
Übersicht
Sicher im Internet surfen, Geoblocking umgehen und dabei möglichst anonym bleiben: Genau damit wirbt Proton VPN aus der Schweiz. Der Anbieter setzt auf starke Verschlüsselung, quelloffene Apps und eine besonders transparente Datenschutzstrategie. Doch wie gut schlägt sich der Dienst im Alltag wirklich?
Wir haben Proton VPN in der kostenpflichtigen Version Plus sowohl im Testlabor als auch im Praxiseinsatz genau untersucht. Wir zeigen, wie sicher der VPN-Dienst arbeitet, welche Geschwindigkeiten er erreicht, ob Streaming aus anderen Ländern problemlos klappt und für wen sich das Abo am ehesten lohnt.
Proton VPN: Wie sicher arbeitet der Dienst?
Die technische Basis von Proton VPN gehört zur Spitzenklasse. Das zeigt sich unter anderem an der großen Auswahl unterstützter VPN-Protokolle. Neben WireGuard und OpenVPN kommt auch eine Eigenentwicklung namens Stealth zum Einsatz. Dieses Protokoll ist darauf ausgelegt, Zensur zu umgehen, indem es den Datenverkehr so tarnt, dass er nicht als VPN erkannt wird (Obfuscation).
Im Test hielt das Schutzkonzept, was es verspricht. Proton VPN zeigte keine Sicherheitslücken und gab nach außen nicht die echte IP-Adresse preis, sondern ausschließlich verschleierte Informationen. Damit dieses Ergebnis dauerhaft gewährleistet bleibt, setzt der Anbieter auf einen integrierten Schutz vor DNS-, IPv6- und OpenVPN-Leaks. Zusätzlich betreibt Proton eigene DNS-Server. So wird verhindert, dass unsichere Drittanbieter falsche Zuordnungen im DNS-System vornehmen und Nutzer dadurch unbeabsichtigt identifizierbar werden.
Mehrstufiger Kill Switch
Damit die Internetverbindung stets geschützt bleibt, integriert Proton VPN einen zweistufigen Kill Switch. Dieser Sicherheitsmechanismus unterbricht den Datenverkehr sofort, sobald die Verbindung zum VPN-Server abbricht. In der Standardversion, die unter Windows und macOS verfügbar ist, greift dieser Schutz automatisch im laufenden Betrieb. Unter Windows gibt es zusätzlich einen erweiterten Modus namens Permanent Kill Switch. Ist dieser aktiviert, blockiert die Software jeglichen Internetzugang, solange keine VPN-Verbindung besteht. Ein kleiner Wermutstropfen: Der Kill Switch ist nicht ab Werk aktiv, sondern muss erst in den Einstellungen eingeschaltet werden.
Zusätzlicher Schutz mit Multi-Hop, Tor und Anti-Tracking
Mit der Funktion Secure Core richtet sich Proton VPN an Nutzer mit besonders hohen Sicherheitsansprüchen. Dabei handelt es sich um ein Multi-Hop-Verfahren, bei dem der Datenverkehr zunächst über einen zusätzlichen Server in datenschutzfreundlichen Ländern geleitet wird. Durch die extra Umleitung kann die Geschwindigkeit etwas sinken. Nutzer wählen entweder vorkonfigurierte Routen oder erstellen ein eigenes Routing-Profil. Die Auswahl ist dabei eingeschränkt: Der erste Server ist stets ein von Proton festgelegter Spezial-Server, lediglich das Zielland lässt sich bestimmen. Die Secure-Core-Server werden vom Anbieter selbst betrieben, inklusive eigener Hardware.
Darüber hinaus lässt sich die VPN-Verbindung mit Tor-Servern kombinieren. So ist der Zugriff auf Inhalte im Tor-Netzwerk möglich, ohne den Tor-Browser installieren zu müssen. Diese Option bietet im aktuellen Vergleich sonst nur NordVPN. Abgerundet wird das Sicherheitspaket durch NetShield. Diese Funktion blockiert Schadsoftware, Werbung und Tracker und sorgt so für zusätzlichen Schutz im Alltag.
Ausgebautes Servernetz
Das Servernetz von Proton VPN wächst weiterhin schnell. Mittlerweile stehen Server in 127 Ländern zur Verfügung (zum Testzeitpunkt: 126). Zudem hat das Unternehmen alle Plus-Server weltweit auf leistungsstärkere Hardware umgestellt, die Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbps ermöglicht.
Datenschutz und Transparenz
Proton VPN zählt für uns zu den besonders vertrauenswürdigen Anbietern. Gespeichert wird lediglich ein Zeitstempel beim Login, der zur Verbindungsverwaltung dient und beim nächsten Anmelden überschrieben wird. Das ist unkritisch. Selbst wenn weitergehende Daten vorhanden wären, wären diese gut geschützt, da die Schweiz nicht Teil der Überwachungsallianz Five Eyes ist.
Der Anbieter nutzt keine RAM-only-Server, sondern setzt auf vollständig verschlüsselte Datenträger (Full Disk Encryption). Dieses Verfahren gilt als sicher und kommt auch bei bekannten Lösungen wie BitLocker zum Einsatz. RAM-only-Server bieten aus unserer Sicht zwar noch einen kleinen Vorteil, da dort gar keine dauerhaften Daten entstehen können, die gewählte Lösung von Proton ist dennoch solide.
Zur Absicherung der eigenen Systeme lässt Proton VPN regelmäßig unabhängige IT-Audits durchführen. Zuletzt bestätigten Experten des Penetrationstest-Unternehmens Securitum im September 2025 die konsequente No-Log-Policy sowie die Sicherheit der Apps. Wer selbst nach Schwachstellen suchen möchte, kann das ebenfalls tun, denn sämtliche Anwendungen sind Open Source. In diesem Umfang bietet das sonst nur Mullvad VPN. Gefundene Sicherheitslücken honoriert Proton zusätzlich mit einem Bug-Bounty-Programm.
Auch die Finanzierung spricht für die Unabhängigkeit des Dienstes. Die Proton AG ist weitgehend unabhängig vom Kapitalmarkt und finanziert sich hauptsächlich über Community-Beiträge sowie durch die gemeinnützige Stiftung Fongit. Diese erhält Mittel von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, Innosuisse (ehemals Eidgenössische Kommission für Technologie und Innovation, KTI). Zusätzlich fließen Fördergelder der Europäischen Kommission. Damit unterscheidet sich Proton VPN deutlich von stärker gewinnorientierten Wettbewerbern.
Test der Geschwindigkeit
Wer ein VPN nicht nur zum gelegentlichen Surfen nutzt, sondern auch für Downloads, Streaming oder andere datenintensive Anwendungen, erwartet ein möglichst hohes Tempo im verschlüsselten Tunnel. Um belastbare Ergebnisse zu erhalten, haben wir Proton VPN im Testlabor einem 24-stündigen Dauertest auf einem deutschen Plus-Server unterzogen. Erfasst wurden dabei die durchschnittlichen Download- und Upload-Raten, die Ping-Zeiten sowie mögliche Verbindungsabbrüche.
Beim Downloadtempo zeigte Proton VPN eine starke Leistung und verfehlte mit einer Verlangsamung von lediglich rund 2,4 Prozent nur knapp die Wertung „sehr gut“. Der Upload fiel etwas stärker ab. Über den gesamten Testzeitraum lag der durchschnittliche Verlust bei 5,8 Prozent gegenüber der Verbindung ohne VPN. Das ist weiterhin ein gutes Ergebnis und im Alltag kaum spürbar. Ebenfalls überzeugend waren die Ping-Werte: Mit durchschnittlich 24 Millisekunden bleibt die Latenz niedrig genug, um auch beim Online-Gaming, Livestreaming oder bei Videokonferenzen keine störenden Verzögerungen zu verursachen.
Eignet sich Proton VPN Plus für Streaming?
Streaming-Dienste bieten in den USA und vielen anderen Ländern oft ein größeres Film- und Serienangebot als in Deutschland. Hinzu kommt, dass sich deutsche Streaming-Abos im Ausland häufig nicht wie gewohnt nutzen lassen, da die Anbieter Inhalte je nach Region einschränken. VPN-Dienste versprechen, diese Ländersperren zu umgehen, ein aktives Abo beim jeweiligen Streaming-Dienst vorausgesetzt. Doch wie schlägt sich Proton VPN in dieser Disziplin?
Im Streaming-Test überzeugt Proton VPN Plus ebenfalls. Alle geprüften Netflix-Bibliotheken ließen sich entsperren, darunter die Kataloge aus den USA und Großbritannien. Auch Amazon Prime Video und Disney Plus funktionierten ohne Probleme. Öffentlich-rechtliche und internationale TV-Angebote wie ARD, ZDF, ORF, SRF, BBC iPlayer und Virgin Media Play waren ebenfalls erreichbar. Lediglich beim rumänischen Streaming-Dienst Digi Sport stieß Proton VPN an seine Grenzen.
Proton VPN einrichten und bedienen
Die Einrichtung von Proton VPN Plus gelingt schnell und unkompliziert. Der Einstieg ist auf allen unterstützten Geräten problemlos möglich. Über den Schnellverbinden-Button stellt der Dienst sofort eine Verbindung her und wählt je nach Voreinstellung automatisch den schnellsten oder einen zufälligen Server aus. Alternativ suchen Sie Ihr Wunschziel über eine Serverliste, per Volltextsuche oder mithilfe einer interaktiven Weltkarte aus. Für Streaming und Torrenting besonders geeignete Spezialserver sind klar gekennzeichnet.
Das Hauptmenü präsentiert sich übersichtlich und durchdacht, wichtige Einstellungen sind mit wenigen Klicks erreichbar. Damit behebt Proton einen früheren Kritikpunkt an der Bedienung. Besonders positiv fielen die frei konfigurierbaren Profile auf. Damit lassen sich häufig genutzte Verbindungen als Schnellstart-Option speichern. In diesen Profilen kombinieren Sie Parameter wie Land, VPN-Protokoll sowie die Nutzung von P2P-, Tor- oder Multi-Hop-Servern. Unter Windows können Nutzer zudem ein eigenes DNS festlegen und sich so von unsauber arbeitenden DNS-Anbietern unabhängig machen. Außerdem unterstützt Proton VPN unter Windows und macOS Port-Weiterleitungen, was beim Online-Gaming und Torrenting zusätzliche Geschwindigkeit bringen kann. Auch Split Tunneling gehört zum Funktionsumfang.
Was kostet Proton VPN Plus? Preise und Abonnements
Die Preisgestaltung von Proton VPN fällt übersichtlich aus, denn es gibt nur einen einzigen Tarif namens Proton VPN Plus. Unterschiede ergeben sich ausschließlich durch die gewählte Laufzeit:
- 1 Monat für 9,99 Euro
- 12 Monate für 51,81 Euro (4,32 Euro/Monat)
- 24 Monate für 71,76 Euro (2,99 Euro/Monat)
Dank der 30-tägigen Geld-zurück-Garantie lässt sich der Dienst ohne Risiko ausprobieren. Bei den Zahlungsmethoden zeigt sich Proton VPN flexibel. Akzeptiert werden unter anderem Kreditkarte, PayPal, Banküberweisung sowie auf Wunsch auch anonyme Zahlungen mit Bitcoin. Zusätzlich steht eine kostenlose Variante zur Verfügung. Diese ist im Funktionsumfang eingeschränkt, bietet aber unbegrenztes Datenvolumen und eignet sich gut für den Einstieg. Damit ist Proton VPN Free unsere Empfehlung unter den kostenlosen VPN-Anbietern.
Proton VPN Plus im Test: Fazit
Proton VPN Plus kombiniert ein sehr starkes Sicherheitskonzept mit einer vorbildlichen und transparenten Datenschutzstrategie. Der Anbieter untermauert seine Versprechen durch regelmäßige unabhängige Prüfungen und vollständig quelloffene Apps. Das Servernetz im Plus-Tarif ist groß, leistungsfähig und überzeugt mit überdurchschnittlich guten Streaming-Ergebnissen. Zusatzfunktionen wie Secure Core oder NetShield werten das Gesamtpaket weiter auf. Kleine Schwächen, etwa der nicht standardmäßig aktivierte Kill Switch, kosten zwar ein paar Punkte, trüben den sehr guten Gesamteindruck aber kaum. Unterm Strich ist Proton VPN Plus ein Premium-VPN auf hohem Niveau.