7. April 2026, 15:56 | Lesezeit: 11 Minuten
Hohe Datenraten, eine unkomplizierte Handhabung und ein hohes Sicherheitsniveau – mit diesen Eigenschaften wirbt ExpressVPN. Wir haben untersucht, wie sich der VPN-Dienst im täglichen Einsatz tatsächlich schlägt.
Übersicht
ExpressVPN zählt seit Jahren zu den bekanntesten Anbietern im Bereich Online-Datenschutz und erreicht in Tests häufig gute Bewertungen. Doch reicht das auch 2026 noch aus, um mit der starken Konkurrenz mitzuhalten? Im Test haben wir geprüft, wie sich ExpressVPN im Vergleich zu den besten VPN-Diensten positioniert. Dafür kam der günstigste verfügbare Tarif, ExpressVPN Basic, zum Einsatz.
ExpressVPN: Wie sicher ist der Anbieter?
Mit Lightway nutzt ExpressVPN ein eigenes VPN-Protokoll, das die Stärken von OpenVPN und WireGuard kombinieren soll. Ein Pluspunkt: Lightway ist als Open Source veröffentlicht. Der Quellcode ist frei einsehbar und nicht proprietär abgeschottet, anders als etwa Mimic von Avast oder Hydra von Hotspot Shield.
Lightway steht für Windows, macOS, Android und iOS bereit. Darüber hinaus unterstützt ExpressVPN OpenVPN unter Windows, macOS und Android sowie IKEv2 ausschließlich auf Apple-Geräten. WireGuard war lange nicht verfügbar, wurde inzwischen aber nachgerüstet und kann ebenfalls als Verbindungsprotokoll genutzt werden.
Perfect Forward Secrecy und eigene DNS-Server
Für die Verschlüsselung der VPN-Verbindungen setzt ExpressVPN auf AES-256. Die Serverauthentifizierung erfolgt über ein RSA-Zertifikat mit SHA-512 und einer Schlüssellänge von 4.096 Bit. Unter Windows können Nutzer bei Lightway die Verschlüsselungsmethode manuell festlegen. Neben AES steht auch ChaCha20 zur Auswahl, ein ebenfalls sehr sicherer Standard, der unter anderem bei WireGuard zum Einsatz kommt.
Zusätzlich verwendet ExpressVPN Perfect Forward Secrecy. Dabei wird für jede neue Verbindung sowie alle 60 Minuten während einer laufenden Sitzung ein neuer Schlüssel erzeugt. Selbst wenn Angreifer einen Schlüssel kompromittieren sollten, ließen sich damit keine älteren Daten entschlüsseln. Für Anwender geschieht das vollständig automatisch im Hintergrund.
Der Dienst betreibt eigene DNS-Server und verzichtet auf externe Anbieter. Die DNS-Anfragen sind mit 256 Bit verschlüsselt. Zudem sieht sich ExpressVPN auch für künftige Risiken durch Quantencomputer gerüstet. Zum Einsatz kommt eine Post-Quanten-Verschlüsselung auf Basis des Industriestandards ML-KEM. Für die sichere Gerätekommunikation nutzt der Anbieter die Open-Source-Lösung WolfSSL.
Server-Infrastruktur mit 10 Gbps
ExpressVPN betreibt Serverstandorte in 105 Ländern und deckt auch Regionen in Afrika ab. Die konkrete Anzahl der Server nennt der Anbieter nicht mehr. Stattdessen verweist ExpressVPN auf die Leistungsfähigkeit der Hardware. Um hohe Auslastungen besser abzufangen, wurde die Infrastruktur auf Server mit 10 Gbps umgestellt.
Kill-Switch und Split-Tunneling
Ein Kill-Switch gehört bei ExpressVPN zur Standardausstattung und trägt den Namen Network Lock. Wird die VPN-Verbindung unterbrochen, kappt der Dienst sofort den Internetzugang. Positiv fällt auf, dass der Kill-Switch ab Werk aktiviert ist. Bei Anbietern wie Surfshark oder Proton VPN muss diese Funktion zunächst manuell eingeschaltet werden. Wird der VPN-Dienst jedoch komplett beendet, greift der Schutz nicht mehr.
Mit Split-Tunneling lassen sich einzelne Programme gezielt vom VPN ausschließen oder ausdrücklich hindurch leiten. So können beispielsweise Online-Spiele ohne VPN und damit mit maximaler Geschwindigkeit laufen, während der Browser weiterhin verschlüsselt bleibt. Alternativ ist es möglich, zwei Browser parallel zu nutzen – einen mit VPN, einen ohne. Das erweist sich im Alltag als praktisch.
Nicht vorhanden ist eine Multi-Hop-Funktion, bei der der Datenverkehr über mehrere VPN-Server geleitet wird, um die Anonymität weiter zu erhöhen. NordVPN und Proton VPN bieten diese Technik in ihren Produkten an. Eigene Tor-Server stellt ExpressVPN ebenfalls nicht zur Verfügung.
Umgehen von Zensur
In Staaten mit strenger Internet-Zensur gelingt es ExpressVPN in der Regel, bestehende Sperren zu umgehen. Dafür kommen spezielle Verschleierungstechniken zum Einsatz, zu denen der Anbieter aus Sicherheitsgründen keine Details nennt. Wichtig für Reisende: Die App sollte bereits vor der Abreise installiert und eingerichtet werden, da der Zugriff auf die ExpressVPN-Website vor Ort häufig blockiert ist.
Datenschutz und Transparenz des Anbieters
ExpressVPN hat seinen Firmensitz auf den Britischen Jungferninseln. Dadurch unterliegt der Dienst nicht der Überwachungsallianz Five Eyes, eine gesetzliche Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung besteht ebenfalls nicht. Seit Ende 2021 ist ExpressVPN Teil von Kape Technologies, zu dem unter anderem auch CyberGhost VPN, ZenMate und Private Internet Access gehören.
Laut eigener Datenschutzerklärung speichert ExpressVPN keine Aktivitäten seiner Nutzer. Bestimmte technische Informationen fallen dennoch an, etwa zur Fehlerbehebung oder zur Stabilitätsanalyse. Diese Daten sollen anonymisiert verarbeitet werden. Dass dabei tatsächlich keine verwertbaren Nutzerdaten gespeichert werden, zeigte ein Vorfall aus dem Jahr 2017: Ein von türkischen Behörden beschlagnahmter Server enthielt keine verwertbaren Informationen.
Transparenz spielt bei ExpressVPN eine zentrale Rolle. Im sogenannten Trust Center informiert der Anbieter ausführlich über Sicherheitskonzepte und Schutzmaßnahmen. Über ein Bug-Bounty-Programm können Sicherheitsforscher gefundene Schwachstellen melden und erhalten dafür eine Prämie. Zusätzlich lässt ExpressVPN seine Systeme regelmäßig extern prüfen. Die jüngste unabhängige Überprüfung erfolgte im Februar 2025 durch KPMG. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen bestätigt, dass die technischen Prozesse bei ExpressVPN den Aussagen der Datenschutzerklärung entsprechen.
TrustedServer-Sicherheit
Sämtliche Server von ExpressVPN arbeiten im sogenannten RAM-only-Betrieb. Das bedeutet, dass Daten ausschließlich im Arbeitsspeicher verarbeitet und nicht dauerhaft auf Festplatten abgelegt werden. Bei jedem Neustart werden alle Informationen automatisch gelöscht. ExpressVPN gehörte zu den ersten Anbietern, die dieses Konzept eingeführt haben, inzwischen ist es bei vielen VPN-Diensten Standard.
Test der Geschwindigkeit
Wir prüfen VPN-Anbieter in einem 24-stündigen Dauertest. Gemessen werden Download- und Upload-Geschwindigkeit sowie die Latenz. Die Tests erfolgen stets über einen deutschen Server. Als Referenz dient die prozentuale Verlangsamung im Vergleich zur Internetverbindung ohne VPN.
Im Test lag die durchschnittliche Reduzierung der Download-Geschwindigkeit bei 5,3 Prozent, der Upload verlor im Mittel 5,8 Prozent. Beide Ergebnisse sind gut. Die gemessene Latenz betrug im Schnitt 21 Millisekunden und fällt ebenfalls sehr gut aus. Damit sind Anwendungen wie Video-Telefonie oder Online-Gaming problemlos möglich.
Während des Dauertests wechselte die IP-Adresse regelmäßig. ExpressVPN bezeichnet diese Funktion als Shuffle IP. Sie soll die Anonymität weiter erhöhen. Negative Auswirkungen auf die Geschwindigkeit konnten dabei nicht festgestellt werden.
Funktioniert Streaming mit ExpressVPN?
Streaming-Anbieter wie Netflix, Disney Plus oder HBO Max stellen ihre Inhalte je nach Region unterschiedlich bereit und gehen gezielt gegen VPN-Verbindungen vor. Wir haben daher getestet, wie zuverlässig ExpressVPN diese Geoblockaden umgeht. Der Test erfolgte im Chrome-Browser unter Windows. Die Ergebnisse spiegeln den Stand zum Zeitpunkt der Prüfung wider. Streaming-Dienste können ihre Schutzmechanismen jederzeit anpassen, sodass sich der Zugriff künftig ändern kann.
Bei Netflix zeigte ExpressVPN eine sehr starke Leistung: In den fünf getesteten Regionen USA, Kanada, Großbritannien, Japan und Deutschland klappte der Zugriff jeweils sofort. Filme und Serien starteten ohne Verzögerung, selbst 4K-Inhalte liefen stabil und ohne Ruckler. Auch bei Disney Plus sowie beim ebenfalls geprüften HBO Max überzeugte der Dienst und ermöglichte den Zugriff auf die jeweiligen US-Mediatheken.
Deutsche Live-TV-Angebote wie ARD, RTL oder ProSieben lassen sich mit ExpressVPN ebenfalls aus dem Ausland streamen. Gleiches gilt für ORF, ServusTV und SRF. Auch Sportübertragungen etwa aus der Champions League oder der Formel 1 waren abrufbar. Darüber hinaus funktionierten im Test die Inhalte des britischen BBC iPlayer und der italienischen Plattform Rai Play.
Für Geräte ohne eigene VPN-App stellt ExpressVPN die Funktion MediaStreamer bereit. Dabei handelt es sich um eine SmartDNS-Lösung, mit der sich Streaming auch auf Apple TV oder vielen Smart-TVs nutzen lässt. Zusätzliche Privatsphäre-Funktionen bietet MediaStreamer allerdings nicht. Außerdem lassen sich damit ausschließlich US-Streaming-Dienste freischalten.
ExpressVPN einrichten und nutzen
ExpressVPN stellt Apps für nahezu alle wichtigen Plattformen bereit. Neben Windows, macOS, Android und iOS unterstützt der Dienst auch Smart-TVs, Streaming-Sticks, Apple TV und Chromebooks.
Die Einrichtung gelingt schnell. Nutzer melden sich entweder über einen Aktivierungscode, einen E-Mail-Link oder klassisch mit Benutzername und Passwort an. Die Desktop-Programme hat ExpressVPN kürzlich deutlich überarbeitet und beim Bedienkomfort nachgebessert. Der frühere minimalistische Aufbau wurde durch eine größere, aber weiterhin übersichtliche Oberfläche ersetzt. Alle wichtigen Funktionen sind mit wenigen Klicks erreichbar.
Server lassen sich wie gewohnt automatisch auswählen, manuell bestimmen oder über die integrierte Suchfunktion finden. Die überarbeitete Listenansicht mit klarer Länderstruktur erleichtert die Orientierung, häufig genutzte Standorte merkt sich die App. Neben der schnellen Verbindung zum empfohlenen Server bietet die Seitenleiste zusätzliche Optionen. Wer die Leistung genauer prüfen möchte, kann außerdem den integrierten Geschwindigkeitstest nutzen.
Funktionen wie die Protokollwahl, der Kill-Switch oder Split-Tunneling finden sich ebenfalls in der Seitenleiste und lassen sich per Schalter aktivieren. Ergänzend bietet ExpressVPN den Threat Manager, einen Werbeblocker sowie einen Kinderschutzfilter, letzterer allerdings nur in höheren Tarifen. Neu sind zudem optionale Regeln für automatische Verbindungen. Damit lässt sich das VPN beispielsweise so einstellen, dass es sich automatisch aktiviert, sobald sich das Gerät in ein ungesichertes WLAN einwählt. Das ist besonders auf Reisen praktisch.
Positiv fällt auch auf: Die Browser-Erweiterungen für Chrome und Firefox sind vollständige VPN-Lösungen und keine einfachen Proxy-Erweiterungen. Außerdem lässt sich ExpressVPN auf kompatiblen Routern installieren, um mehrere Geräte gleichzeitig abzusichern. Alternativ bietet der Hersteller eigene Router unter der Bezeichnung Aircove an.
ExpressMailGuard: Schutz für Ihre E-Mail-Adresse
Mit ExpressMailGuard ergänzt ExpressVPN sein Angebot um einen E-Mail-Relay-Dienst, der bereits im Basis-Tarif ohne zusätzliche Kosten enthalten ist. Nutzer können damit beliebig viele Alias-Adressen anlegen, um ihre echte E-Mail-Adresse bei Registrierungen, Online-Shops oder Newsletter-Anmeldungen nicht direkt weiterzugeben. Alle Nachrichten, die an eine solche Alias-Adresse geschickt werden, werden automatisch an das persönliche Postfach weitergeleitet.
Wird ein Alias mit Spam oder unerwünschten Nachrichten überflutet, lässt er sich jederzeit deaktivieren. Auf diese Weise bleibt die eigentliche E-Mail-Adresse geschützt. ExpressMailGuard arbeitet unabhängig vom jeweiligen E-Mail-Anbieter. Die Verwaltung der Alias-Adressen erfolgt bequem über ein eigenes Dashboard.
Was kostet ExpressVPN? Preise und Abos
Lange Zeit gehörte ExpressVPN zu den teureren VPN-Diensten. Der Preis lag über dem vieler Konkurrenten, wurde zuletzt jedoch gesenkt. Aktuell gelten im Basic-Tarif folgende Konditionen:
- 1 Monat für 13,67 Euro.
- 12 Monate für 64,12 Euro (4,27 Euro/Monat, 3 Gratis-Monate inklusive).
- 2 Jahre für 79,71 Euro (2,85 Euro/Monat, 4 Gratis-Monate inklusive).
Alle genannten Preise enthalten die in Deutschland gesetzliche Mehrwertsteuer von 19 Prozent.
Im Basic-Tarif sind bis zu zehn gleichzeitige Verbindungen möglich, in den höheren Tarifstufen entsprechend mehr. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit entfallen die Bonusmonate, der monatliche Preis steigt dann. Die Tarife „Erweitert“ und „Pro“ bieten zusätzliche Funktionen wie den Passwortmanager ExpressVPN Keys. Dieser erstellt besonders sichere Passwörter mit Zero-Knowledge-Verschlüsselung und speichert sie in einem digitalen Tresor. In den Apps für Android und iOS ist die Funktion direkt integriert.
Als Zahlungsmethoden stehen alle gängigen Optionen zur Verfügung, inklusive Kryptowährungen. Eine kostenlose Testversion bietet ExpressVPN nicht an, dafür aber eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie.
ExpressVPN im Test: Fazit
ExpressVPN hinterlässt im Test einen starken Eindruck: Der Dienst punktet mit hoher Sicherheit, guten Geschwindigkeiten und sehr zuverlässiger Streaming-Leistung. Mit dem leistungsstarken Lightway-Protokoll verfügt der Anbieter zudem über ein eigenes technisches Merkmal, das ihn von vielen Wettbewerbern abhebt. Der neue Basic-Tarif macht ExpressVPN außerdem preislich attraktiver als in der Vergangenheit. Bei den Zusatzfunktionen zeigt sich der Dienst zwar etwas zurückhaltender als manche Konkurrenten. Wer jedoch einen stabilen, leicht zu bedienenden und technisch sauber umgesetzten VPN-Service sucht, ist bei ExpressVPN gut aufgehoben.